Föhn – der warme Fallwind

Föhn – immer gut, wenn es einem schlecht geht

Der Föhn muss eigentlich immer herhalten im bayerischen Oberland. Bei Kopfschmerzen, Unwohlsein und Gliederschmerzen. Dabei ist es eine der markantesten Besonderheiten beim Wetter die wir kennen. Wunderschöne linsenförmige Wolken, beste Fernsicht und mildes, sonniges Wetter. Was will man eigentlich mehr?

Süd- und Südwestwinde

Wir nehmen an, ein Tiefdruckgebiet nähert sich Mitteleuropa vom Atlantik aus. Wir nehmen weiter an, es zieht über das nördliche Frankreich oder dem Ärmelkanal. Um ein Tiefdruckgebiet fließen die Winde gegen den Uhrzeigersinn. Heißt also, bei uns in Deutschland stellt sich eine Süd- bis Südwestwindwetterlage ein. Diese Winde sind in jeder Jahreszeit mild und kommen aus Südfrankreich und Spanien bzw. dem Mittelmeerraum zu uns. Es gibt sogar das Phänomen, dass die Luft aus Nordafrika angesogen wird. Wenn das Tief sich kaum nach Osten weiterbewegt, weil ein starkes Hochdruckgebiet über der Ostsee oder Osteuropa dagegen hält, dann bleibt diese Wetterlage über Tage hinweg bestehen. In diesem Fall kommt es zum seltenen Phänomen, dass sogar Sand aus der Sahara bis zu uns transportiert wird.

Föhn – ein Gebirge ist immer im Weg

Nun sind auf dem Weg zu uns einige Gebirge im Weg, das größte natürlich die Alpen. Über diese Bergkette strömen diese warmen Luftmassen. Auf der einen Seite des Gebirgsmassives (Luv), also z.B. in Norditalien sind diese Luftmassen mit Feuchtigkeit angereichert, sie müssen aufgrund der natürlichen Barriere in die Höhe ausweichen. Die Feuchtigkeit kondensiert, es entstehen Wolken und Niederschläge. Durch Staueffekte sind dann starke Niederschläge mit entsprechenden Auswirkungen keine Seltenheit. Die Temperaturen nehmen je 100 Meter Höhe um 1 Grad Celsius ab.

Ab dem Alpenzentralmassiv nordwärts (Lee) fallen diese Luftmassen in rasanter Geschwindigkeit in die Täler ab. Oft pfeift der Wind in den Bergen in Orkanstärke um die Gipfel. Hierbei lösen sich die Wolken auf, es ist sonnig, ja fast makellos blau. Es entstehen einige wunderschöne linsenförmige Föhnwolken „Altocumulus lenticularis“. Die Temperaturen steigen je 100 Meter Höhe um 1,5 Grad an. Es ist keine Seltenheit, dass auch im Winterhalbjahr in den betroffenen Gebieten der Nordalpen oder des Alpenvorlandes über 20 Grad gemessen werden. Dabei herrscht beste Fernsicht. Eigentlich ein perfekter Tag zum Wandern. Ja wenn, ja wenn nicht dieser Kopfschmerz wäre…

Der Föhnsturz

Der Föhnhöhepunkt läuft häufig mit der Temperaturspitze am frühen Abend zusammen. Der Himmel wird plötzlich fahl und milchig. Die Kaltfront des Tiefdruckgebietes nähert sich von Nordwesten über die Donau südwärts. Der Himmel verfinstert sich immer mehr. Unfassbar schöne Wolkenformationen entstehen. Plötzlich kommt es noch in trockener Luft zu starken Windböen, am Horizont blitzt es heftig. Die Kaltfront macht dem Föhn mit heftigen Gewittern den Gar aus. Rasch sinken die Temperaturen auf ein Normalmaß ab und den vielen schweren Köpfen geht es sichtlich besser. Am längsten hält sich der Föhn vom Chiemsee bis nach Berchtesgaden.

In den darauffolgenden Stunden legt sich die Kaltfront am Alpenrand fest und regnet sich mit Staueffekten kräftig aus. Die Schneefallgrenze sinkt oft in die Tallagen ab. Wo man gerade noch seine Radlermaß im Freien genießen konnte, ists nun trüb, naß und fast schon winterlich. Auf der Alpensüdseite hingegen entsteht, wie soll es anders sein, natürlich eine Föhnwetterlage. Update: am 24.10.2018 wurde südlich der Alpen durch starken Föhn über 30 gemessen. Alpen Nordfoehn

Eine der bekanntesten Föhnwetterlagen geht mit einer weiteren Besonderheit beim Wetter einher, dem Weihnachtstauwetter.

Der Föhn sorgt nicht nur für Kopfschmerzen, sondern auch für milde Temperaturen und tolle Wolkenformationen. (Bild: Creative Commons: https://pixabay.com/de/landschaft-berge-alpen-föhn)

Der Föhn sorgt nicht nur für Kopfschmerzen, sondern auch für milde Temperaturen und tolle Wolkenformationen.